Historikertag 2012, Tag 3: Sound der Geschichte und Geschmack des Archivs

3. Tag: Sound der Geschichte, Geschmack des Archivs

The Sound of History: Ähnlich wie am Donnerstag zog es uns am dritten und letzten Tag zu einer eher alternativen Sektion: „Sound History“ Aber wie konnten wir auch anders, gehört die Verbindung Audio(quellen) und Geschichte doch zu einer der zahlreichen Sendungskonzepte aus der Q History-Radio-Zeit, die wir zwar immer wieder diskutiert, schlussendlich aber nie realisiert hatten. Wir waren also äußerst gespannt …

… und wurden nicht enttäuscht. Gerade die Vorträge zu Richard Wagners Walkürenritt (Gerhard Paul) und der Klangarchäologie der Radio-Stimmen (Hans-Ulrich Wagner) hatten es in sich. Paul zeichnete akribisch die Sinnaufladung, wandelnde Ikonographie und Verbindung von Wagners Walkürenritt mit Krieg und Gewalt nach. Dies weckte bei mir Erinnerungen an die Plankton- und Krill-Jäger aus der maritimen Sektion am Tag zuvor. Aus der folgenden Fragerunde entwickelte sich dann eine Diskussion über Musik und Lärm als Waffe (z.B. als Folterinstrument in Afghanistan), ein historisches Feld das laut Gerhard Paul fast noch völlig unbestellt sei. Bemerkenswert war auch, wie der Referent überhaupt zur Soundgeschichte gekommen war. Nämlich nur über Umwege. Eigentlich wollte er wohl nur eine Geschichte des Visuellen im 20. Jahrhundert schreiben, stieß dabei aber auf Abgrenzungsprobleme. So könnte man laut Paul die Geschichte der nationalsozialistischen Wochenschau kaum ohne den Sound schreiben, brächen die Narrationsstrukturen ohne den Audiokommentar doch vollständig zusammen.

Hans-Ulrich Wagner stürzte sich wie gesagt nicht auf seinen Namensvetter, sondern auf die Spuren der Produzenten und Rezipienten des Radios in der Nachkriegszeit. Im Zentrum von Wagners Vortrag stand der Versuch, in einigen Theorieskizzen die noch relativ gut überlieferten Produktionserzeugnisse des Radios mit den für uns heute nur schwer greifbaren Erfahrungen der Radio-Hörenden in Beziehung zu setzen.
Ein Nebenprodukt, der Beschäftigung mit der Klangarchäologie der Bonner Republik, war eine These Wagners zum Medienkampf. Laut ihm hätten der Kampf zwischen dem alten Medium (Radio) und dem neuen (TV) überwiegend entlang konfessioneller Linien statt gefunden. Demnach betrachteten die meisten Radiomacher, zum großen Teil Söhne aus protestantischen Pastorenhaushalten, das Radio als Äquivalent zum gehörten Wort Gottes im Gottesdienst auch als Werkzeug zur Erziehung der Massen. So verwundere es nicht, dass sie sich nach 1945 auf die Suche nach dem „demokratischen Sound“ der neuen Bundesrepublik machten.

Zum Schluss wies Gerhard Paul noch einmal auf eine anstehende Publikation der Bundeszentrale für Politische Bildung für das Jahr 2013 hin, die sicherlich auf den ein oder anderen Historiker-Wunschzettel gehört: Gerhard Paul / Ralph Schock (Hrsg.): Der Sound des Jahrhunderts. Ein akustisches Portrait des 20. und beginnenden 21. Jahrhunderts. Die Themen reichen vom LautSprecher Hitler, über Orson Welles‘ War of the Worlds und den Soundtrack des ‚Holocaust‘ bis hin zu einer Kurzgeschichte des Klingeltons.

Skizzen und Notizen zur Sektion

Skizzen und Notizen zur Sektion „Sound History“.

Vom Geschmack des Archivs: Statt der eher wissenschaftspolitischen Drittmittel-Sektion haben wir uns zum Schluss nochmal einem klassischen Thema zugewandt, dessen leicht kulturpessimistischer Titel eine rege Diskussion versprach: „Wo bleibt der ‚Geschmack des Archivs‘? Historische Forschung im digitalen Zeitalter

Getreu dem Titel der Sektion begannen die Panel-Teilnehmer zunächst damit, von ihrer persönlichen Beziehung zum Archiv zu berichten. So erzählte Birgit Emich recht eindrucksvoll, wie sie nach einem Jahr stiller Recherche im Vatikanischen Geheimarchiv Dominikaner von Franziskaner allein schon am Knarren und Knarzen ihrer Mönchssandalen unterscheiden konnte. Ihre Kollegen assoziierten den Aufenthalt im Archiv eher mit dem Visuellen (Darstellung des Archivs als Tresor geheimen Wissens und Abschiebebahnhof für unbequeme Kriminalbeamten im ARD Tatort) oder Geschmacklichen (das Archiv als Weinkeller für Geschichtsgurmets).

Einige Aspekte der Diskussion:

  • Plädoyer für die Hilfswissenschaften: Allgemein hatte man sowohl im Panel als auch im Publikum den Eindruck, dass die heutigen Studenten und sogar einige Doktoranden im Verlauf ihres Studiums zu wenig Kontakt mit den Hilfswissenschaften hätten. Und das, wo doch gerade die sinnliche Erfahrung im Umgang mit den authentischen Forschungsobjekten im Archiv für viele Diskussionsteilnehmer wesentlich zur Identifikation mit ihrem Fach beigetragen hatte, in den Beschreibungen ja mitunter schon fast Erweckungserlebnis-ähnliche Züge hatte. Denn: „Im Archiv entscheidet sich wer Historiker wird und wer nicht.“
  • NSU-Aktenvernichtung: Das Bild der Archive in der Öffentlichkeit wurde eher pessimistisch gesehen. Gerade gegen die skandalöse Aktenvernichtungen im Zuge der NSU-Affäre hätte man „getrommelt und geschrien“. Aber außer anderthalb Artikeln in der Süddeutschen Zeitung hätte es die Medien nicht interessiert, dass „nicht der Verfassungsschutz oder sonst irgendeine Behörde“, sondern nur die Archive das Recht hätten Akten zu vernichten. (van Laak)
  • Mehr Geld für Replikate als für Originale: Auch die Schieflage in der Finanzierung von Archiven wurde diskutiert. Laut den Archiven (van Laak?) könne es nicht sein, dass der Architekt für das Gebäude, in dem die Replikate ausgestellt werden, mehr Geld bekäme, als das Magazin in dem die Originale ruhen. Beispiel war hier das Berliner Ausstellungsprojekt „Topographie des Terrors“.

Neben den genannten Aspekten dominierte in der Diskussion jedoch eindeutig die Frage nach den Folgen der Digitalisierung für die historische Forschung. Gerade Birgit Emich sah hier trotz der zahlreichen nicht zu leugnenden Vorteile zwei Gefahren:

GEFAHR NR. 1: selektive Digitalisierung führt zu selektiver Forschung
Im Gegensatz zu den eher quellenarmen Epochen der Antike und des Mittelalters wäre es laut Emich utopisch anzunehmen, dass in der quellenreichen Frühen Neuzeit geschweige denn in der Neuzeit jemals eine flächendeckende Digitalisierung erreicht werden könnte. Neben der schieren Masse der Quellen verhindern gerade die nur sehr schwer zu entziffernden Handschriften ein solches Projekt. Dies führe ihrer Erfahrung nach schon jetzt zu einer gefährlichen Tendenz: Geforscht wird nur über das „was online“ ist. Es drohe also gerade bei vielen jungen Historikern eine Missachtung der Handschriften. Dementsprechend plädierte Emich dafür, Online-Angebote der Archive parallel und nicht _statt_ eines Archivaufenthalts zu nutzen. Unterstützt wurde sie von Kiran Klaus Patel, der gerade hinsichtlich globalgeschichtlicher Ansätze betonte, dass Historiker sich nicht immer nur in die wohl-klimatisierten Zentralarchive der Westlichen Welt begeben könnten (z.B. London), sondern sich auch in die Archive der ehemaligen Kolonien (Stichwort: Eurozentrismus) wagen müssten.

GEFAHR NR. 2: Quantität und Isolation der Quellen als Gefahr für Close Reading und Provenienzsystem
Während die Logik des  ersten Punktes nicht von der Hand zu weisen war, sprach aus den Ängsten vor einem „Ende des Close Readings“ durch rein quantitative Analysemechanismen wie Googles Ngram Viewer und dem Ende des Provenienzsystems durch die digitale „Isolation der Quellen“ (Emich), meiner Meinung nach der Kulturpessimismus. In die gleiche Kerbe schlugen Aussagen, welche Internetseiten die Eigenschaft als Quelle absprachen, da diese veränderbar seien oder die Gefahr vor den „vagabundierenden Quellen“ auf Wikipedia (van Laak). Auf den an dieser Stelle notwendigen Hinweis, dass das Internet lediglich ein Medium ist, über dessen inhaltliche Qualität wir genauso wenig pauschale Aussagen treffen können, wie über Druckerschwärze auf Papier, wartete ich vergeblich…

…aber wahrscheinlich wollte wollte niemand der geistig gesättigten Konferenzteilnehmer (mich inbegriffen) so kurz vor Schluss noch eine Grundsatzdiskussion eröffnen und so gingen drei Tage Marathonkolloquium in Mainz zu Ende. Schön war es auf dem Historikertag 2012!

Skizzen und Notizen zur Sektion “Geschmack des Archivs”.

Skizzen und Notizen zur Sektion “Geschmack des Archivs”.

Rückblicke auf die ersten beiden Tage des Historikertags 2012:

Geschichte im Radio – Interview beim Wissenschaftsportal der Gerda Henkel Stiftung

Interview zu Geschichte im RadioFür diejenigen, die es verpasst haben: Anfang 2012 hat mich das Wissenschaftsportal der Gerda Henkel Stiftung interviewt. Wer sich also dafür interessiert, was ich von Geschichte im Radio, Guido Knopp-bashing, geisteswissenschaftlichen Taxifahrer-Syndromen und langen Texten im Netz halte, kann ja mal rein schauen.

Mit freundlicher Genehmigung des L.I.S.A.-Wissenschaftsportals kann 
das Interview nun auch direkt hier im Blog gelesen werden.

„Geschichte einmal anders erzählen“

Interview mit Philipp Spreckels

Philipp Spreckels studiert in Münster Geschichte – angestrebter Abschluss ist der Master. Neben seinem Studium arbeitet er regelmäßig an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Journalismus. Unter anderem betreibt er einen eigenen Blog und war für etwa zwei Jahre Onlinechef des Geschichtsmagazins ‚Q History‘ beim Campussender ‚Radio Q‘. Zurzeit ist er Online-Redakteur der Westfälischen Wilhelms-Universität.

Wir haben Philipp Spreckels zu seinem Verständnis von Wissenschaft und Öffentlichkeit gefragt und wollten unter anderem wissen, wie Geschichte jenseits gängiger Formate in modernen Medien erzählt werden kann.

„In einem Beitrag ist oft mehr hängen geblieben als in einer Vorlesung“

L.I.S.A.: Herr Spreckels, Sie studieren Geschichte und haben lange Zeit zusätzlich für das Campus-Radio der Uni Münster gearbeitet. Was zieht einen Historiker zum Radio?

Spreckels: Die Möglichkeit sich in einem, mir damals, völlig unbekannten Medium auszuprobieren. Und um es besser zu machen. Unter Dozenten wie auch Studenten gehört das Guido Knopp-bashing heute ja immer noch zum guten Ton. Sich aber selber einmal hinter die Kamera oder das Mikrofon zu begeben und es (hoffentlich) besser zu machen, das wollte ich testen.

L.I.S.A.: Und was führte Sie speziell zum Radio?

Spreckels: Nun, das war eher ein Zufall. Ich hatte gerade ein langwieriges Hobbyprojekt abgeschlossen und suchte nach einem neuen Zeitvertreib. Da kam ein Aushang des Campusradios gerade Recht – zumal ich von dem Geschichtsmagazin vorher noch nie gehört hatte. Ich dachte mir: warum nicht?

Was mich als Historiker beim Radio gehalten hat und was mich immer noch daran fasziniert, ist die Vielfalt der Zutaten und die besondere Textsituation. Für den Zuschauer gibt es – wie im TV – kein Zurück mehr, er kann den Absatz nicht noch einmal lesen und überdenken. Das macht das Schreiben der Texte – gerade historisch-komplexer – unheimlich ansprechend. Andererseits hat man durch Soundeffekte, musikalische Untermalung, Audioquellen oder die raspelige Stimme eines alten Zeitzeugen die Möglichkeit, den Hörer sehr nah an das Thema heran zu führen. Wobei natürlich auch diese Chancen Risiken mit sich bringen (z.B. Emotionalisierung, Personalisierung).

Zudem ist es faszinierend den hohen Herrschaften aus der Vorlesung nun plötzlich auf Augenhöhe zu begegnen und mit Ihnen ungestört zu diskutieren. Manchmal hatten wir sogar das Gefühl, dass durch die Recherchen, Interview und Schnitt eines Beitrags mehr hängen geblieben ist als in so mancher Vorlesung.

L.I.S.A.: Spielte auch die berufliche Aus- oder Weiterbildung eine Rolle? Die Perspektive auf eine Anstellung in den Medien?

Spreckels: Natürlich. Auch wenn wir noch so gute Noten haben oder viele Praktika absolvieren, nahezu bei allen Studenten der Geisteswissenschaften und somit auch bei Historikern ist das ‚Taxifahrer-Syndrom‘ stark ausgeprägt. Ständig hat man das Gefühl sich fortbilden zu müssen und sich auch ja außerhalb des Studiums in der ‚wirklichen‘ der ‚praktischen‘ Welt beweisen zu müssen. Die Angst, nach dem wunderbaren Geschichtsstudium ohne Job dazusitzen, kann einen sehr belasten – aber eben auch motivieren.

„Ich habe mit dem toten Leopold von Ranke gesprochen“

L.I.S.A.: Sie waren unter anderem Online-Chef von Q History, der Geschichtsrubrik von Radio Q. Was ist das Anliegen von Q History? Nach welchen Kriterien haben Sie die Themen gesetzt?

Spreckels: Das Ziel von Q History war es immer Geschichte inhaltlich oder methodisch anders zu erzählen als in den Mainstream-Magazinen. Wir haben uns immer gefragt: welche Geschichten, welche Aspekte großer / kleiner Geschichten sind bisher noch nicht behandelt worden? Welche Zusammenhänge gehen unter? Wie steht es z.B. um die Darstellung von Geschichte in Computerspielen und Comics? Welche Erinnerungsorte hält der deutsche Fußball bereit …

Dazu kam dann die Frage nach dem wie. Wie kann man diese Geschichten neu erzählen? Das fing an mit ungewöhnlichen Themenkomplexen und reichte später bis hin zu Audiokollagen und fiktiven Interviews, wie mein Gespräch mit dem toten Leopold von Ranke (gesprochen von Gerd Althoff) in der Berliner U-Bahn.

L.I.S.A.: Und inhaltlich? Gab es auch dort eine Entwicklung?

Spreckels: Ja, auch inhaltlich haben wir uns mehr getraut. Während wir uns anfangs lediglich klassisch-distanzierte Themen wie Monarchie, Reisen und Erinnerungsorte behandelten – haben wir uns später auch an heikle tagesaktuelle Themen gewagt. Aus diesen Überlegungen sind dann z.B. die „Wir sind dagegen“ (Arabischer Frühling, Tea Party) und die „Wer darf töten?“-Sendung (Erschießung bin Ladens) entstanden, in denen wir zu den aktuellen Ereignissen und Fragestellungen eine in den Medien oft vernachlässigte, historische Perspektive bieten wollten.

„Vielleicht erlebt der lange Text im Netz sein Comeback“

L.I.S.A.: Sie bloggen auch. Worüber und welches Medium eignet sich ihrer Meinung nach besonders für historische Themen und warum?

Spreckels: Wenn ich mein eigenes Nutzungsverhalten beobachte, würde ich prinzipiell Podcasts oder eben Radio-on-demand für lange und komplexe Fragestellungen empfehlen. Wer sich im Zug oder beim Abwasch einen Podcast anhört, bringt Zeit und Aufmerksamkeit mit. Einen solchen Hörer kann man auch schon mal mit Interviews konfrontieren, die 8, 20 oder gar 60 Minuten dauern. (Das beste Beispiel für einen solchen Wissenschaftspodcast ist meiner Meinung nach Raumzeit, ein Magazin das gänzlich aus sehr langen Interviews mit Weltraumwissenschaftlern besteht.) Es gibt nur einen Haken aus Perspektive der Macher: noch kann Google keine Sounddateien indexieren und die black box der Aufnahme für Internetrecherchen anderer öffnen.

Bei Blogs und Twitter sieht die Situation anders aus. Wer vor einem Desktop-PC hockt, befindet sich im Arbeitsmodus, der scannt oft nur noch die Seiten und lässt sich kaum noch auf längere, geschweige denn komplexe Texte ein. Hier ist es besser kurze Häppchen, Quellenfunde, kleine Interviews, Eindrücke, Zitate, Hinweise oder Kommentare zu platzieren und auch angenehmer zu lesen. Aber ich bin mir sicher, dass sich dieses Leseverhalten bzw. diese Lesehaltung sehr stark durch die Verbreitung der Tablet-PCs ändern wird. Vielleicht erlebt der lange Text im Netz dann ja sein Comeback.

„Live hat kaum jemand die Sendung gehört, aber…“

L.I.S.A.: Welche Resonanz finden so spezifische Medienangebote, wie beispielsweise Radioprogramme oder Blogs zur Geschichtswissenschaft? Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Spreckels: Gerade weil wir unser Geschichtsmagazin nicht auf die Schlagwörter Münster und Studenten beschränkt haben, konnten wir in relativ kurzer Zeit viele Menschen erreichen. Allerdings muss man hier sehr stark zwischen dem Radio-Livestream selbst und den Artikeln im Netz bzw. dem Podcast unterscheiden.

Live hat kaum jemand die Sendung gehört. Da waren wir schon happy wenn 15 Leute im Stream verweilten. (Wie viele uns mit analogem Radio zugehört haben können wir nicht sagen.) Was mich aber nicht verwundert hat: wer setzt sich schon dienstagabends um 20 Uhr vor das Radio und hört zu? Wir haben ein lean forward-Magazin für ein lean back-Medium gemacht.

Dementsprechend anders war die Lage im Netz. Durch die Abo-Möglichkeiten von Blog, Facebook & Twitter konnten wir hier viele Fans und Follower aber auch Kollegen erreichen und vor allem: auch mit ihnen kommunizieren! Die Verschriftlichung und Aufbereitung der Beiträge mit Archiv- und Themenbildern hat die Beiträge vielen nahe gebracht, die uns sonst nie ihre Aufmerksamkeit geschenkt hätten. Neben dem Blog selbst haben Suchmaschinen wie Google und die Aktivitäten in den Sozialen Netzwerken hier eine ganz entscheidende Rolle gespielt.

L.I.S.A.: Und können Sie sagen, wer genau Ihr Magazin las / hörte?

Spreckels: Das ist beim Radio natürlich nicht immer so einfach. Aber ein grobes Gefühl dafür stellt sich bei einem schon ein. Obwohl das Magazin ausschließlich von Studenten gemacht wurde, hatte ich das Gefühl, dass wir – was unsere Stammleser und -hörer angeht – eher den webaffinen, akademischen Mittelbau als die Studenten erreicht haben. Zumindest der Altersdurchschnitt der Facebook-Fans scheint dies zu bestätigen.

„Der akademische Mittelbau ist netzaffin“

L.I.S.A.: Wie reagiert die Wissenschaft auf neue mediale Angebote? Wie steht es um die Beteiligung von Wissenschaftlern an modernen Medien?

Spreckels: Die Reaktionen sind eher verhalten. Zumindest in meinem Studium war es so, dass die meisten Dozenten neue Medien und Techniken nicht wirklich als Alternative zu den klassischen Kanälen wie Zeitung und TV gesehen haben. Bei den Geschichtsdidaktikern und -kultur’lern sieht die Sache natürlich etwas anders aus – aber auch dort konzentriert man sich noch sehr stark auf die Arbeit mit den alten Medien. Nichtsdestotrotz glaube ich, dass sich dies gerade durch den netzaffinen akademischen Mittelbau in den nächsten Jahren ändern wird. Etwas allgemeiner gesprochen: ein Ende der Medialisierung der Wissenschaften (nicht nur der Geschichte) ist noch nicht in Sicht – im Positiven wie im Negativen.

Philipp Spreckels hat die Fragen der L.I.S.A.Redaktion schriftlich beantwortet.

Foto: cc-by-nd Lalit Shahane

Zombies, Wiedergänger und der Geist Leopold von Rankes: Q History gewinnt den Campusradiopreis 2011

Es muss nicht immer Hitler sein. Auch Untote lassen sich historisch aufarbeiten.

Das Daumen drücken hat geholfen. Nach dem Anerkennungspreis 2010 konnte das Q History-Team 2011 nun auch in der Kategorie Wissenschaft den Campusradiopreis der Landesanstalt für Medien NRW mit nach Hause nehmen.

Offenbar war es nicht von Nachteil, dass wir uns in der eingereichten Beiträgen eher mit fiktiven Horrorgestalten und tot-geglaubten Historikern als eingefleischt aber langweiligen Dauerbrennern wie Hitlers Generälen, Frauen und Hunde beschäftigt haben.

Die Campusradiopreis-Jury schreibt:

„Wissenschaft mal etwas anders. Das Redaktionsteam zeigt, dass Wissenschaft sehr unterhaltsam sein kann. Oder anders: Dass Unterhaltung wissenschaftlich sein kann. […] Mit der Nominierung der Radiosendung ‚Q History‘ zum gesamten Themenkomplex ‚Untote‘ wird eine wissenschaftliche Gesamtleistung gewürdigt, die aufwendig und hörernah produziert wurde.“

„Wissenschaft mal etwas anders. Das Redaktionsteam zeigt, dass Wissenschaft sehr unterhaltsam sein kann.“

Als ehemaliger Onlinechef von www.qhistory.de hat mich persönlich natürlich sehr gefreut, dass die Jury neben dem Radioprogramm auch etwas für Blog & Co. übrig hatte: „Besonders hervorzuheben ist die crossmediale Begleitung der Sendung.“

Den Ausschlag gaben folgende Beiträge (nachzuhören auf den Seiten der LfM & bei qhistory.de):

  • Wenn die Hölle zu voll ist – Die Geschichte des Zombiefilms (Matthias Friedmann)
  • Die Schmatzenden Toten: Aberglaube und Leichenbekämpfung in der Vorzeit (Frank Schlegel)
  • Interview mit einem Toten: Der preußische Historiker Leopold von Ranke im Gespräch (Philipp Spreckels, Transkript des Interviews)

Das schönste an der ganzen Sache ist aber, dass nicht nur die Beitrags-Autoren sondern die gesamte Q History-Redaktion* mit dem Preis ausgezeichnet wurde. Hinzu kommt, dass sich das Q History-„Mutterschiff“ Radio Q neben einem Gewinn in der Kategorie Wissenschaft auch über den 1. Preis in der Kategorie Hochschule freuen kann.

*: Neben Matthias Friedmann, Frank Schlegel und Philipp Spreckels
also auch Daniel Meyer, Cornelia Pfeifer, Christine Krüger, Astrid
Mohr und Henrik Kipshagen.
Foto: siehe dieser Artikel

lfm Campus-Radio-Preis 2011: Aachen wir kommen!

Das sind doch mal schöne Nachrichten. Die alte Q History-Truppe* ist für den lfm Campus-Radio-Preis 2011 (Kategorie: Wissenschaft) nominiert worden. Und nicht nur das, auch in den Kategorien Moderation und Hochschule wurden Kollegen aus dem Campusradio „Radio Q“ nominiert.

Sollte es nach dem letzten Jahr noch ein zweites Mal klappen? Egal – Aachen wir kommen!

* Matthias Friedmann (CvD und Redakteur), Daniel Meyer (Moderator), Frank Schlegel, Henrik Kipshagen, Christine Krüger, Cornelia Pfeifer, Astrid Mohr und ich (Redakteure).

Foto: by-nc ABC Archives

Serious (History) Games

Ich habe mit der Gamedesign-Professorin Linda Breitlauch über Serious Games und Geschichte gesprochen. Nicht erst seit den tragischen Ereignissen in Oslo wird diskutiert, welche ‚Verarbeitungsmechanismen‘ in welchem Medium zulässig sind. So kam es Ende 2010 zum Eklat als der Student Jens M. Stober ein PC-Spiel präsentierte, das sich mit den Schicksalen von ‚Republikflüchtigen‘ aber eben auch DDR-Mauerschützen an der ehemaligen Innerdeutschen Grenze beschäftigte.

Ein Q History-Beitrag zur Serious Games.
Serious-History-Games-Die-Schrecken-der-Vergangenheit-als-Lernspiel-Kopie Weiterlesen

Geschichte, Radio, John Lennon und die GEMA – Interview beim Droid Boy Podcast

Interview beim Droid Boy PodcastEs ist schon merkwürdig, plötzlich auf der anderen Seite des Mikrofons zu stehen.
Als ich vorletzte Woche den zweiten MeFo-Tag mit ein paar Netz-Kollegen und ein wenig Kölsch habe ausklingen lassen, kamen wir natürlich auch auf Q History zu sprechen. Mein Gegenüber zückte daraufhin spontan sein Mikro. Das Interview über Geschichte im Radio, John Lennon und die GEMA könnt ihr nun im Droid Boy Podcast nachhören.

Copy, Paste, Piracy

Der Umgang mit geistigem Eigentum lässt die Deutschen in Zeiten von Plagiatsaffären und illegalen Downloads nicht los.

Ein Q History-Beitrag zur Geschichte des geistigen Eigentums.

Copy-Paste-Piracy-Die-Geschichte-des-Geistigen-Eigentums

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