Die Phileasson-Saga – Deluxe Ausgabe

die-phileasson-saga-2015Dieser Tage ist bei Ulisses-Spiele die Deluxe Ausgabe der Phileasson-Saga erschienen. Auch wenn die Publikation der Original-Neuauflage nun schon ganze sechs Jahre zurückliegt, denke ich noch immer gerne an die Arbeiten an der Saga zurück. Es ist und bleibt ein bedeutendes Stück DSA-Geschichte, dass ich damals gemeinsam mit Dietrich Bernhardt, David Heise und Markus Pfitzner neu gestalten durfte.

Hier der Ankündigungstext des Verlags:

Die Phileasson-Saga – Deluxe Ausgabe

Die Oberste Hetfrau lädt zur Wintersonnenwende Seefahrer, Abenteurer und Glücksritter aus aller Herren Länder in das verschneite Thorwal ein. Hier entbrennt ein Streit zwischen den Kapitänen Phileasson Foggwulf und Beorn dem Blender, der die Geburtsstunde der ruhmreichen Wettfahrt markiert. Eine Wettfahrt, die Sie vom Ewigen Eis in die glutheiße Khôm, vom giftigen Dschungel Maraskans zu den sagenhaften Inseln im Nebel führt.

Lassen Sie sich in eine Zeit entführen, als das Kaiserreich noch stark und Borbarad eine dunkle Bedrohung am Horizont war, und gehen Sie mit den berühmtesten Seefahrern Aventuriens auf Entdeckungsfahrt! Wie auch schon Kolumbus oder Magellan werden Sie Dinge und Orte entdecken, die noch kein Mensch vor Ihnen erblicken durfte. In zwölf Abenteuern können Sie sich in riskanten Verhandlungen mit Stammesführern, auf der Jagd nach Seeschlangen, bei der Erforschung versunkener Metropolen und im Kampf gegen gefährliche Kreaturen beweisen. Aber nicht nur das! Im Verlauf der Kampagne wird deutlich, dass die Wettfahrt mehr als nur der Streit zweier Thorwaler um den Titel König der Meere ist. Vielmehr steht das Schicksal des ganzen Elfenvolkes auf dem Spiel …
Bernhard Hennens Kampagne um die legendäre Wettfahrt der Thorwaler-Kapitäne und die Geschichte der Hochelfen wurde komplett überarbeitet, und auf den Regelstand der 4. Edition von Das Schwarze Auge gebracht. Dieser Sammelband in blauem Kunstleder enthält zahlreiche ergänzende und verknüpfende Texte, Kartenmaterial und natürlich jede Menge phantastische Abenteuer!

Zum Spielen dieses Abenteuers benötigen Sie die Regelbände Wege des Schwerts, Wege der Zauberei und Wege der Götter sowie das Liber Cantiones. Für Spielleiter ist die Kenntnis der Geographia Aventurica sowie diverser Regionalspielhilfen hilfreich, aber nicht Voraussetzung.

Ein Blick zurück: Das Epenschmiede-Archiv

Am 21. November 2008 ging mein erstes großes Web- / Schreibprojekt an den Start. Unter der Adresse epenschmiede.de veröffentlichte ich bis zum Juni 2010 insgesamt 37 Werkstattberichte, Hintergrundtexte, Kurzgeschichten und ein Interview aus der Welt des Pen & Paper-Rollenspiels „Das Schwarze Auge“ (kurz DSA). Im Mittelpunkt stand zunächst die Überarbeitung der beliebten DSA-Kampagne „Die Phileasson-Saga“, die ich als Bandredakteur und Autor betreuen durfte. Durch die Werkstattberichte und Teaser auf dem Blog wollte ich den Fans der Kampagne die Chance geben, an dem Entstehungsprozess der Neuauflage Teil zu haben und ihre Wünsche zu äußern. Wie es der Zufall wollte, arbeitete parallel in Berlin das Entwicklerstudio RadonLabs an der Fortsetzung des DSA-Computerspiels „Drakensang: Am Fluss der Zeit“, welches in der gleichen Zeitlinie wie die Phileasson-Saga spielt. Wir taten das Naheliegende und steckten unsere Köpfe zusammen. So fanden früher oder später auch einige Berichte über die Querverweise zwischen Phileasson-Saga und Am Fluss der Zeit ihren Weg in den Blog.

Screenshot - Die Startseite von epenschmiede.de Mai 2014

Die Epenschmiede im Mai 2014

Das Epenschmiede-Archiv

Ende Mai 2014 werde ich den Blog epenschmiede.de vom Netz nehmen. Statt die Beiträge jedoch komplett zu löschen, habe ich mich (wie im Falle der Q History-Beiträge) entschieden sie an dieser Stelle zu archivieren. Ihr findet die Beiträge unter folgenden Tags:

Alle Beiträge

Hinter dem Tag Das Schwarze Auge verbergen sich sämtliche Beiträge, die ich zwischen 2008 und 2010 auf epenschmiede.de veröffentlicht habe. Wer es gerne etwas spezifischer hat:

  • Die Phileasson-Saga: Beiträge, die mit der Phileasson-Saga in Verbindung stehen.
  • Drakensang: Beiträge rund um die Computerspiele Drakensang, Drakensang: Am Fluss der Zeit und Am Fluss der Zeit: Phileassons Geheimnis.

Außer der Reihe

  • Das Interview mit Bernhard Hennen, in welchem ich den Original-Autor der Phileasson-Saga zur Kampagne selbst, seinen Arbeiten für Das Schwarze Auge allgemein und den Elfen-Romanen befragt habe. Das Interview liegt auch in Englischer Sprache vor: Interview with Bernhard Hennen
  • Genau genommen gehören die Phileasson-Fragmente nicht zum Epenschmiede-Archiv, da sie direkt hier im Blog veröffentlicht wurden. Die Fragmente beschäftigten sich mit offenen Plotfäden und unverwendeten Ideen aus der Entstehungszeit der Phileasson-Neuauflage.

DSA-Outtakes / Was das Kramen in alten Phileasson-Unterlagen so zu Tage fördert

DSA-Outtakes - Rakorium Muntagonus

War für mich immer ein großes Rakorium-Vorbild: Christopher Lloyd als Emmett „Doc“ Brown in Zurück in die Zukunft.

Rakorium obliviosus oder: Wie ich lernte die Bombe zu vergessen

Rakorium buddelt einen Drachenkriegs-Blindgänger in einer Zwergenstadt unwissentlich zum zweiten Mal aus. Die „Bombe“ droht alle Zwerge in Marus zu verwandeln.

Um die Stadt zu retten, müssen die Helden in die Vergangenheit reisen und Rakorium an einem „Erinnerung (an die Ausgrabung) verlasse dich!“ verhindern.

Hintergrund: Diese Überlegung entstammt einer sehr frühen Story-Entwicklungsphase des Das Schwarze Auge-Browsergames „Saat des Zorns“. Motivation / Inspiration für das doch sehr witzkoeske Zeitreise-Szenario waren die Textarbeiten für die „Drakensang: Am Fluss der Zeit – Vater der Fluten“, in denen ich mich u. A. an Rakorium sowie Eilif und ihren Maru-Drillingen Tick, Trick und Track … ich meine natürlich Z’irrk, Z’rrrk und Z’arrk austoben konnte (siehe Rakorium-Nottel Dialog im alten Blog). Da ich aus Zeitgründen leider sehr schnell aus dem Projekt aussteigen musste und mein Plotvorschlag wohl doch etwas extrem war, hat das fertige Saat des Zorns mit der Plotskizze nicht viel zu tun. Und das ist auch in Ordnung so.

Fast jede Fantasywelt hat ihre eigene, uralte und untergegangene Hochkultur - so auch DSA.

Fast jede Fantasywelt hat ihre eigene, uralte und untergegangene Hochkultur – so auch DSA. Hochelfen-Coolness hin oder her: die intriganten Skrechim, verkopften Jharra, Leviathanim, Achaz und natürlich putzigen Marus waren mir doch meist sehr viel sympathischer.

Hail to the King Baby!

Eine Highfantasy-Kampagne auf den Inseln im Nebel mit Elfenhochkönig Fenvarien, dem „König der Meere“ Phileasson Foggwulf und dem Schlangenkönig.

Ein mysteriöser Xrsl’frl’frl-Wanderpriester verhilft dem Schlangenkönig endlich zu Nachwuchs. Pappi ist stolz wie Oskar.

Unbemerkt entwickelt sich Sohnemann zu einem glühenden Verehrer des Xrsl’frl’frl / Namenlosen und Kriegstreiber.

Nach einem elfischen Pearl Harbor entbrennt offener Krieg zwischen Echsen und Elfen. Die Elfen schaffen es auf der Verlorenen Insel einen Brückenkopf zu errichten.

Bei einer Himmelfahrtskommando-Teleportation ins echsische Hinterland läuft etwas schief: Die Helden finden sich in Maru-Körpern und Marus in Helden-Körpern wieder.

Derweil auf Dere…

Auf der längst in Vergessenheit geratenen Hochelfeninsel Gontarin warten noch immer einige vom Clan der Tlaskelem auf die Tootenboote ihrer Brüder und Schwestern.

Die letzten Zerzal-Priester unter den Elfen haben sich in ihrer langsam verfallenden Nekropole auch dem angeschwemmten Leichnam Phileassons angenommen.

Wieder auf den Inseln im Nebel …

In die Ecke gedrängt, plant der Schlangenkönig die Sphärenverschmelzung der Hochelfenglobule mit Zze Tha.

Schlussendlich ist unser Skrechu-Opa aber doch lieber Schlangenkönig auf der Verlorenen Insel als ein Potentat unter vielen in der Drakopole.

Die Sphärenschmelze und ein Krieg, in dem sich Echsen und Elfen gegenseitig in den Abgrund reißen kommen nicht zu Stande. Der Namenlose ist derbe frustriert. Ende.

Hintergrund: Zugegeben kann man über die „Fenvarien führt die Religion auf den Inseln im Nebel wieder ein“-Setzung im Das Schwarze Auge-Band „Aus Licht und Traum“ geteilter Meinung sein. Aber sei es drum. Kanonisch führt der Frieden zwischen Alten und Wilden, zurückkehrende Erinnerungen und Religion dazu, dass sich das Auseinander-driften der Inseln umkehrt. Eine Reaktion des Namenlosen, der die Elfen auf seiner To-Do-List zu verderbender Völker bereits abgehackt hatte, sollte also nicht lange auf sich warten lassen.

Durch offenen Fäden in der Phileasson-Saga und weil ich beim Schreiben / Überarbeiten der Kampagne am meisten Freude am hochelfischen Globulensetting hatte, keimte im mir die Idee zu einer Publikation, welche die Schicksalsfäden der Inseln im Nebel weiter spinnen würde. Die niemals über ein Konzeptpapier hinaus gewachsene Kampagnenidee mit dem Arbeitstitel „Phileassons Vermächtnis“ sollte sollte sich in zwei Teile gliedern. Der erste Band hätte diverse Szenarien auf den Inseln im Nebel enthalten (Elfen-Vietnam auf der Verlorenen Insel, Cammalan-Relikte in Gwandual, etc.), in deren Verlauf langsam die Erkenntnis keimen sollte, dass neben Schlangenkönig und Fenvarien noch eine dritte Macht (der Namenlose) ihre Finger im Spiel hat. Im zweiten Band gelingt es den Helden dann schließlich Fenvarien von einer restlosen Vernichtung der Echsen und den Schlangenkönig von einer katastrophalen Verschmelzung der Hochelfen-Globule mit Zze Tha abzuhalten sowie die Drahtzieher der Eskalation aufzudecken. Die Episode auf der hochelfischen Toteninsel Gontarin und Phileassons Schicksal entstand parallel, ist bis heute aber nur sehr lose mit der Kampagnenskizze verbunden.

Warum das Ganze?

Die Plotskizzen zu lieb gewonnenen Charakteren wie Rakorium, dem (aus dem Skrechu-Ruhestand zurückkehrenden) Schlangenkönig und offenen Fäden wie dem Schicksal Gontarins, Phileassons und der Globulenentwicklung schlummern nun schon seit einigen Jahren auf meinem Rechner. Jüngst kam ich dann aber durch Jens Jullrichs offene Schreibwerkstatt ins Grübeln, ob ich damals mit dem Phileasson-Blog nicht doch etwas mehr Transparenz hätte wagen sollen und dafür mehr Chaos und weniger Homogenität hätte in Kauf nehmen können. Vielleicht ist dies ein Versuch diese Transparenz ein Stück weit nachzuholen. Aber ich will diese Storyskizzen nicht zu hoch hängen: Wenn ich nur ein paar von euch beim Lesen zum Schmunzeln gebracht habe, hat dieser Artikel seinen Zweck erfüllt.

Foto: cc-by-sa Scotto Bear, by-nc-nd Daniel Crowley

Das finale Konzept-Meeting von Drakensang: Phileassons Geheimnis

Phileassons Geheimnis - Kazak der in Blut watetEnde November 2009. 5:30 Uhr
Aufstehen, anziehen, Hoodie oder Hemd? Abnahmekonferenz … also Hemd!
5:20 Uhr Mit dem Drahtesel zur Bahn, ja nichts vergessen? Viel zu früh da. Das macht 20 Minuten warten und gefühlte zehn verpasste Käffchen. Mist!
9:00 Uhr ICE, fahren nach Berlin. Alte Notizen nochmal durchgehen. Wer wohl alles kommt? Was aus den Konzepten geworden ist? Ist das Hemd jetzt doch zu fein?
10:28 Uhr Berlin, Alexanderplatz, Endstation: gelangweilt lehnen zwei Freund & Helfer mit Maschinenpistolen neben Dunkin Donuts und Dönerbude. Gleich geht‘s los!
Radon Labs – Reaktorsicherheit
10:40 Uhr Schon wieder zu früh da … egal. Alexanderplatz 6. Ministerium für Reaktorsicherheit. Hier bist du richtig. Der Wachmann guckt nur kurz von der Zeitung auf und taucht dann wieder in den Sportteil ab. Bin wohl doch kein Sicherheitsrisiko.
10:50 Uhr Sechste Etage, Radon Labs. Ich marschiere schnurstracks zu den Büros. Eine Dame im Kostüm hält mich auf: „Kann ich Ihnen helfen?“ Empfangsdamen? Das ist neu! Mit Sneakers, Hoddie und prallem Rucksack weise ich mich als „Teilnehmer der AddOn-Abnahmekonferenz“ aus und werde durchgelassen.
Ankommen. Durchatmen. Puh – geschafft.

Im Konferenzraum sehe ich vertraute, aber auch unbekannte Gesichter. Die Herren des Hauses Radon Labs, Bernd Beyreuther (Creative Director), Philipp Rosenbeck (Projekt-Leiter des AddOns) und Fabian Rudzinski (Lead Gamedesigner); Und natürlich das DSA-Dreigespann Florian Don-Schauen (Story-Autor), Thomas Römer (Chefredakteur) und Patric Götz (Verlagsleiter). Nach einem kurzen Hallo stürze ich mich mit Patric auf die Snacks. Erstmal einen kleinen Happen essen. Auf der Fensterbank liegen belegte Brötchen – duftender Kaffee dampft vor sich hin. Ich mache mit Boris Arendt Bekanntschaft, der als Skript-Autor zu Fabians Schreib-Stall gehört. Ein Mann mit schwarzem Hemd und Hose mich fragt, wer ich bin. „… der die Überarbeitung der Phileasson-Saga betreut hat, und wer bist Du?“ „Das Geld!“ und setzt sich grinsend. Das Geld … ach so. Das muss Markus Plötz, der Geschäftsführer von Ulisses sein. Schlussendlich gesellt sich noch Mario Truant zur Ulisses-Crew und wir sind komplett. Roman-Autoren, Game Designer, Geschäftsführer, Chefredakteure, Creative Directors, Verlagsleiter … und ich. Na das kann ja heiter werden!

Nach ein paar Willkommensworten muss Bernd leider schon gehen. Während wir mit dem AddOn schon Zukunftsmusik für den Sommer des nächsten Jahres spielen, sind anderswo noch alle Gedanken auf den kommenden Spätwinter gerichtet: Deadline für Drakensang: Am Fluss der Zeit. Aber schnell zurück in die warme AddOn-Zukunft: hier ist das Eis recht schnell geschmolzen, inhaltlich diskutieren wir alle auf Augenhöhe. Von 11 Uhr morgens bis in die dunklen Abendstunden brüten wir über den Konzeptpapieren zum „Am Fluss der Zeit – AddOn“, wie es auf der Titelseite heißt. Das von Fabian, Boris und Philipp ausgearbeitete Papier wird von allen gründlich auf aventurische Stimmigkeit und Dramaturgie abgeklopft; Ich bin dann nochmal speziell für die Kompatibilität mit der Phileasson-Neuauflage zuständig. Von der korrekten Hautfarbe des Waldmenschen Ynu über den Anteil der weiblichen Crewmitglieder bei Thorwalern bis hin zum individuellen Hintergrund der Hauptcharaktere und den „floralen Mustern“ der hochelfischen Kultur … alles wird lang und breit geprüft und diskutiert. Begeistert sind wir vom frischen Look, mit dem Grafiker die neue Location des AddOns abgebildet haben. Das Design der Hochelfen-Metropole Tie‘Shianna grenzt sich bewusst ab vom all zu oft kopierten Stil der Herr der Ringe-Filme und greift stattdessen Motive der römischen und ägyptischen Antike auf. (Beiläufig stoße ich unter den Artworks auch auf den Arbeitstitel des AddOns. Drakensang: The Secret of Phileasson.) Aber auch im graphischen Bereich wird fleißig kommentiert und kritisiert. So beharrt Thomas bei einem Bild auf etwas mehr Realismus und weist darauf hin, dass „die Axt am Zwerg und nicht der Zwerg an der Axt hängen sollte“. An anderer Stelle werden die Innschriften auf den hochelfischen Schwertern als „zu abgehackt für das schwunghafte Asdharia“ (die Sprache der Hochelfen) kritisiert.

Phileassons Geheimnis - Nurtigarten in Tie'ShiannaFür Traumschlösser ist kein Platz. Philipp als Projektleiter muss uns immer wieder bremsen, wenn wir drohen abzudriften. Denn obwohl das Drakensang-Universum mit Tie’Shianna um ein völlig neues und exotisches Setting bereichert wird – Phileassons Geheimnis ist und bleibt ein AddOn, dass natürlich ein geringeres Budget hat als der Volltitel Am Fluss der Zeit. Erstaunt sind wir dann aber doch, als klar wird, wie minutiös Radon Labs einige Details schon vorplanen musste. Auf naiv dahingeworfene Vorschläge der DSA-Fraktion wie „warum können wir hier nicht noch einen Charakter einbauen?“ hat Philipp dann auch immer eine Antwort: „Hier können wir nur X unique charakters einbauen.“ Und: „Für Phileasson haben wir leider schon zu viele unique gestures verbraucht.“ Anders als in der privaten Pen & Paper Rollenspielrunde, in der nur die eigene Phantasie Grenzen setzt, lassen sich im digitalen Games-Business mit einer Hand voll Chips und einem Schluck Cola eben keine Albtraumschlösser, Königreiche und Orklegionen erschaffen. Aber selbst mit diesen Voraussetzungen lässt sich einiges anstellen. Gerade weil wir die neue Location in eine Globule (eine Art Zwischenwelt) verlegt haben, eröffnen sich uns ganz neue Möglichkeiten, die Budgetgrenzen sinnvoll zu umgehen.

Fertig. Sowohl die RadonLabs-Jungs als auch die Ulisses-Fraktion ist ziemlich erschöpft, aber zufrieden. Zur Freude aller lädt uns Bernd zu einem gemütlichen Italiener um die Ecke ein. Bei meinem ersten Berliner Weißen, Pasta und Parmesan entfernen wir uns langsam von Aventurien. In entspannter Atmosphäre unterhalten wir uns über die Sopranos, Ferien in Finnland, sowie Mass Effect bis hin zu internetfreien Sonntagen.

18:21 Uhr Thomas, Florian und ich steigen in unseren ICE. Die nächsten Stunden unterhalte ich mich mit Thomas über belgische Comics und die Answin-Biographie. Von Florian bekomme ich die wohl hundertste Empfehlung, George R. R. Martins „Das Lied von Eis und Feuer“ zu lesen.
22:25 Uhr Müde, aber zufrieden komme ich in Münster an, radel nach Hause, falle ins Bett. Licht aus, gute Nacht.
So anstrengend kann Rollenspiel sein.

PS: Radon Labs hat am 12. Mai Insolvenz angemeldet. Phileassons Geheimnis soll trotzdem wie geplant im August 2010 erscheinen. Die Zukunft des dritten Drakensang-Teils ist jedoch ungewiss. „Das Lied von Eis und Feuer“ steht immer noch auf meiner Leseliste.

Gruppenfoto Phileassons Geheimnis(Obere Reihe: Patric Götz, Philipp Spreckels, Markus Plötz, Mario Truant, Bernd Beyreuther, Thomas Römer und Boris Arendt.
Untere Reihe: Philipp Rosenbeck, Florian Don-Schauen, Fabian Rudzinski.)

Drakensang: Phileassons Geheimnis – Der Auftrag

Gegen Ende der Phileasson-Saga erreichen Fenvarien, den Hochkönig der Elfen, bizarre Bilder, die nicht seinen Erinnerungen entstammen zu scheinen …
Nach ersten Hinweisen werden in diesem Kurzgeschichten-Prolog drängende Fragen zum Am Fluss der Zeit-Addon Phileassons Geheimnis beantwortet, aber auch neue Rätsel gestellt. Näheres erfährt man aber auch im Bericht über die finale Abnahmekonferenz des AddOns.

„In Deckung!“ Glühende Felsbrocken und magische Lanzen prasseln auf euch ein. Schwertkämpfer, Berittene, ganze Gebäude werden zertrümmert und zerstört. Benommen blickst Du Dich um. Wie konnte es soweit kommen?
Einst zum Himmel aufragende Stadtpaläste und Türme sind nur noch rauchende Trümmer, die meisten Lustgärten nach saurem Regen, Feuer und Schwefel nur noch bizarre Karikaturen ihrer selbst. Beißender Rauch vernebelt die Sicht und Verwesungsgestank steigt Dir in die Nase.
Hinter Dir kämpfen sich brüllende Oger, Trolle und Schlimmeres durch die Reihen der elfischen Krieger. Nicht wenige der tapferen Streiter kanntest Du gut. Aber Du hast keine Zeit, um Atem zu schöpfen. Erbarmungslos treibst Du Deinen geschundenen Körper vorwärts, immer weiter vorwärts …

„Bei Swafnir, was ist mit Euch Fenvarien?“ Zurück in Aventurien hielt sich der Hochkönig der Elfen seine pochenden Schläfen. Nur langsam klärte sich sein Geist. War er etwa gerade zusammengeklappt? Kapitän Phileasson Foggwulf war heran geeilt und gab dem alten Hochkönig halt. Er erinnerte sich wieder. Phileasson, sein Befreier.
Was bei den Göttern waren das für Bilder gewesen, die da auf ihn einstürzten? Etwas an ihnen kam ihm bekannt vor. Er kannte die Alpträume nur zu gut, die ihn Nacht für Nacht plagten – Erinnerungen an die Gräuel des Drachenkrieges. Aber diese Bilder fühlten sich … anders an – als ob jemand genau in diesem Moment mitten in die Belagerung verwickelt wäre.

„Hörst Ihr mir eigentlich zu?“ Mhayanas schneidende Stimme reißt Dich aus Deinen Gedanken zurück in den menschenleeren Thronsaal: „Versteht Ihr denn nicht, was es Eurem Vater bedeuten würde, wenn Ihr mit dem nächsten Schiff von hier fort gehen würdet? Wenn er euch in der ‚Welt hinter den Nebeln‘ in Sicherheit wüsste?“
Du kehrst der blinden Orima-Priesterin den Rücken zu und betrachtest von einem Balkon aus das Panorama der belagerten Stadt. Es ist unverkennbar, dass der Feind schon fast bis zum Tempelbezirk vorgestoßen ist und sich ein schier endloser Strom von Truppen und Kriegsmaschinen durch die Trümmer des Löwentors in die Stadt ergießt. Tie’Shianna, die letzte Stadt der Hochelfen, die ‚Gleißende‘, wie sie auch genannt wird, ertrinkt im Blute vieler Völker.
Soll Mhayana doch weiter auf Dich einreden, Dein Entschluss steht fest. Du wirst ihn nicht im Stich lassen und Dich in die ‚Welt hinter den Nebeln‘ verkriechen, sondern bis zum Schluss zu ihm halten!

Die Schmerzen rissen den Geist des Elfenkönigs wieder zurück. Nur dumpf nahm er Phileasson, Ynu den Moha und die anderen wahr. Kaum dass er sich wieder an die rauen, vom Wind umtosten Klippen der thorwalschen Küste gewöhnt hatte, zerrte die unbekannte Macht ihn wieder fort …

Neben Dir starrt Tharkath mit müden Augen auf Tie’Shianna herab und spricht, ohne den Blick abzuwenden: „Ihr solltet auf Mhayana hören.“
Wie fahl und matt seine Stimme doch geworden ist … Hat er wirklich überwunden, dass Du damals seine Liebe nicht erwidert hast oder spricht noch alte Verbitterung aus seinem Gesicht?
„Dies ist längst kein Ort mehr für die Tochter des Hochkönigs.“
Habt ihr nicht erst gestern darüber gesprochen? … oder ist es vorgestern gewesen? … Merkwürdig wie einen in diesem Halbdunkel des Krieges jedes Zeitgefühl im Stich lässt …
„Ihr habt besseres verdient … Prinzessin Amariel.“

Sie war noch am Leben! Stumm dankte Fenvarien den Göttern. Er hatte seine Tochter gegen ihren Willen in die Traumwelt schicken müssen. Dies war der einzige Weg gewesen, sie vor den Häschern des Namenlosen zu verbergen. Doch etwas musste schief gelaufen sein.
Warum war sie immer noch dort?
„Fenvarien! Geht es Euch gut?“ Der alte Elf schaute dem ‚König der Meere‘ tief in die Augen.
„Phileasson… Ihr habt schon so vieles für mich und mein Volk getan. Ich habe kein Recht Euch ein weiteres Mal um eure Hilfe zu bitten, aber ich kann nicht gleichzeitig mein Volk und meine Tochter retten.
Hört gut zu …“

Vater der Fluten – Das Kompendium zu Drakensang: Am Fluss der Zeit

Hoppla, der alte Fluch … hatte ich ja ganz vergessen …. Ihr seid bewaffnet, nicht war? Das trifft sich gut.«
— Erzmagier Rakorium zu einigen Abenteurern, Kosch 1009 BF

Mit Vater der Fluten ist ein Kompendium unterwegs, das es Spielern von Drakensang: Am Fluss der Zeit möglich machen soll Orte, Personen und Abenteuer des Computerspiels auch im Tischrollenspiel erlebbar zu machen, ohne große Vorkenntnisse zu besitzen.

Unter der Leitung von Florian Don-Schauen haben sich diverse Autoren von „Das Schwarze Auge“ und „Drakensang: Am Fluss der Zeit“ versammelt, um das Computerspiel für das Tischrollenspiel aufzubereiten. Es geht bei dem voraussichtlich im März erscheinenden Band weniger darum, die Story des Spiels einfach nur nachzuerzählen, als diese mit weitergehenden Hintergrundinformationen anzureichern.
Schlaglichtartig sollen ausgewählte Schauplätze, Handlungsstränge und Personen des Spiels dem Leser mal grob, mal detailliert präsentiert werden. Diese Aspekte des Spiels werden so beleuchtet, dass man sie leicht ins Tischrollenspiel integrieren kann. Zum Beispiel wird in „Vater der Fluten“ genauer auf die Vergangenheit, die Motive und Ziele aber auch die Darstellung des Zwergen Forgrimm eingegangen, so dass er auch in der eigenen Spielrunde zum Leben erweckt werden kann. Um die gesamte Welt von „Drakensang: Am Fluss der Zeit“ zu erfassen, werden auch die zahlreichen Verknüpfungen zwischen dem PC-Spiel und anderen Begleitpublikationen, wie dem Browsergame „Saat des Zorns“ (Teil I für Februar angekündigt), dem allein spielbaren Abenteuer Eilifs Schatz oder dem Roman Das Ferdoker Pergament (Feb. 2010), aufgezeigt und näher erläutert.

Forgrimm - Vater der Fluten & Drakensang Am Fluss der Zeit

Hier einige Beispiele aus Bereichen für die ich zuständig war.

Eilif ‘Donnerfaust‘ Sigridsdottir

»Wenn ich noch einen von euch Jammerlappen über einen Fluch des Flussvaters winseln höre, der schwimmt zurück nach Thorwal. Das wohl, bei Swafnir!«
— Eilif ‘Donnerfaust‘, Großer Fluss, 16 Hal

In Vater der Fluten werden die Leser erfahren, warum die hünenhafte Piratenkapitänin aus ihrer Heimat verbannt wurde, woher die drei Marus (Krokodilwesen) an ihrer Seite stammen und was die Thorwalerin entgegen der Sagen um den Fluch des Flussvaters dazu trieb den Großen Fluss hinauf zu fahren.

Rakorium Muntagonus

Rakorium: »Verflixt und zugenäht! Wo isses denn nu … ich dachte ich hätte es …?«
Nottel: »Wenn Ihr den Codex Sauris meint, Meister, den haben wir doch in der Schänke gelassen.«
Rakorium: »Ahh, gut das du da bist, Nottel …«
Nottel: »Ungfried, Meister, ich heiße Ungfried.«
Rakorium: »Ja, sagte ich doch, Nottel … hmpf … Moment! Woher weißt du das mit der Schänke?
(richtet den Zauberstab drohend auf seinen Gehilfen)
Bist du etwa ein Agent der Geschuppten in einem Nottel-Kostüm, der mich narren will? Ich habe dich durchschaut! PARALY…
Nottel (seufzt): »Aber nein, Meister! Ihr habt mir doch am Stadttor aufgetragen, den Codex zurück ins Gasthaus zu bringen … damit die Diener der Echsen ihn nicht finden, wenn sie uns gefangen nehmen sollten.«
Rakorium: »Nun ja … hmpf … eigentlich keine schlechte Idee. Wo waren wir noch einmal, Nottel?«
Nottel: »Ungfried!«
Rakorium: »Ja, sagte ich doch …«
— ein Gespräch zwischen Meister und Schüler, außerhalb von Nadoret, 1009 BF

In Vater der Fluten erfährt man, was den Wahnsinn des alten Echsenforschers ausgelöst hat, warum er seine Gehilfen ständig Nottel nennt und für welche Art von Abenteuern sich der Erzmagier noch lohnt.

Was kommt auf Fans des Tischrollenspiels zu?

Das Kompendium Vater der Fluten wird keine Regionalspielhilfe im klassischen Sinn sein. Man kann es eher mit Themenbänden vergleichen, die sich durch eine Mixtur aus Hintergrundtexten, Spielwerten und Abenteuerszenarien auszeichnen.
Die Personenbeschreibungen sind sehr detailliert und lehnen sich ihrer Gestalt nach an der Beschreibung Forgrimms aus dem Aventurischen Boten 128 an. Da parallel zu Vater der Fluten auch die Arbeiten am Meisterpersonenband Von Rang und Namen (Redaktion: Mark Wachholz) voran schreiten, hat man sich bei einzelnen Charakterbeschreibungen (so im Fall von Rakorium Muntagonus) abgesprochen, um widersprüchliche Setzungen und Unstimmigkeiten zu vermeiden.
Zuletzt sei noch erwähnt, dass natürlich nicht alle Details des PC-Spiels eins zu eins übernommen werden sondern diverse Aspekte sinngemäß adaptiert wurden beziehungsweise einiges auch bewusst verändert, ergänzt oder weggelassen wurde. Derartige Änderungen beim Transfer einer Geschichte von einem Medium ins Andere waren unabdingbar.

Interview with Bernhard Hennen – The Dark Eye

While the first part of this interview was mainly concerned with Bernhard Hennen’s Elfen Saga, the second part will focus on his works for the pen and paper role-paying game The Dark Eye.

The Dark Eye (German: Das Schwarze Auge (DSA)) is the most successful role-playing game on the German market and mostly known for its extremely detailed and extensively described game world. The role-playing game has been published in Dutch (Het Oog des Meesters), French (L’Œil noir), Italian, (Uno sguardo nel buio) and English (The Dark Eye).

Aside from pen & paper, computer games based on The Dark Eye have been published on the English market: Realms of Arkania: Blade of Destiny and its sequels Star Trail and Shadows over Riva. Current games situated in the world of Aventuria are RadonLab’s Drakensang: The Dark Eye and its prequel Drakensang: The River of Time plus the add-on to the prequel Drakensang: The Secret of Phileasson. Another game outside the Drakensang series which is currently under production is Silver Style Entertainment’s The Dark Eye: Demonicon.

EPENSCHMIEDE: You seem to care a lot about the elves. Even 20 years ago your Phileasson Saga focused on the history of this fantasy race within the universe of The Dark Eye. What is it about them that brings you back every time?

Bernhard Hennen: It is the combination of elves and barbarians that still appears to me. A setting in which the uttermost cultural counterparts clash. This conflict produces the most wonderful dialogues and astonishing events all by itself. I also like the tragic aspect that is attached to so many elf stories in our mythology. For example, those heroic figures that came down to us from Norse mythology be it Sigurd, Beowulf, or Hrolfr Kraki. In this aspect the normally contradicting characters fit together pretty well.

EPENSCHMIEDE: Even though your The Dark Eye novels are being republished under new names you haven’t written anything for the world of Aventuria since the online game Zorn der Eiselfen (English: Rage of the Iceelves). Are you going to write anything for the 25th anniversary of the role-playing game?

Bernhard Hennen: I’ll probably write a short story for the upcoming Myranor-Anthology, which is set on a exotic continent in the west of Aventuria. In addition to that, there will be a revised version of the Jahr des Greifen Saga (English: The Year of the Griffin).

EPENSCHMIEDE: To fans of The Dark Eye you are mostly known as the author of the Phileasson Saga. Even though the first edition is over 20 years old: can you remember how it all started?

Bernhard Hennen: The idea for the Saga came to me through the Dragonlance adventures that had come out in America. I was thrilled by the concept of a large story arc and thought this could be something one should do in Aventuria as well. Nothing that had been published had by far the scope or the historical impact on the universe as the Dragonlance Cycle had. Although I managed to convince Ulrich Kiesow (one of the founders of The Dark Eye) of the concept I had the feeling that he wasn’t comfortable with it the whole way.

EPENSCHMIEDE: That would verify rumors that not every author of The Dark Eye was a fan of your extensive description of the elven history.

Bernhard Hennen: No surprise there. I was a new author coming out of nowhere who right away laid hands on the entire history of the undying race; a history which in many aspects was to be set into stone. Of course I didn’t make friends with everybody by doing that. The story not only led through half of Aventuria but also added the Inseln im Nebel (Misty Islands) to the world; a very complex and detailed half-dimension.
Eventually this was also Ulrich Kiesow a little too much. When the saga was published it contained a little chapter which I hadn’t seen before. In it the connection between the Inseln im Nebel and Aventuria was cut, the Beni Geraut Schie a tribe of desert elves was removed from the world and other important protagonists were ‚disabled.‘
Nonetheless many of my characters survived and have left their mark on the history of The Dark Eye like Pardona or Pyrdacor.

EPENSCHMIEDE: Those who know your Phileasson Saga get acquainted with your Elfen novels very quickly: the clash of Vikings (Fjordlanders / Thorwalians) and Elves, ice-sailboats (Elfenwinter / Gen Norden), the Valley of Towers (Elfenritter / Auf der Spur des Wolfes), and so on. Why all these parallels?

Bernhard Hennen: I wrote the Phileasson Saga with a lot of passion. It contains themes which I was fascinated by since my youth. Moreover some of my travels influenced the saga; the tower tombs for example are loosely based on the towers, which can be found near the ancient Palmyra which I visited a long time ago. Traveling experiences, some very recent, are a never-ending resource. And because some places have made such an impact on my imagination adaptations of them appear in different works of mine.
The cosmos of the Elfen novels is a world which I created. Here I possess the freedom to write whatever I want, a privilege that I couldn’t exercise at the beginning of my career when I wrote for the world of The Dark Eye.

EPENSCHMIEDE: Bernhard thank you very much for the interview. I wish you good luck and a lot of inspiration for future projects.