Ein Blick zurück: Das Epenschmiede-Archiv

Am 21. November 2008 ging mein erstes großes Web- / Schreibprojekt an den Start. Unter der Adresse epenschmiede.de veröffentlichte ich bis zum Juni 2010 insgesamt 37 Werkstattberichte, Hintergrundtexte, Kurzgeschichten und ein Interview aus der Welt des Pen & Paper-Rollenspiels „Das Schwarze Auge“ (kurz DSA). Im Mittelpunkt stand zunächst die Überarbeitung der beliebten DSA-Kampagne „Die Phileasson-Saga“, die ich als Bandredakteur und Autor betreuen durfte. Durch die Werkstattberichte und Teaser auf dem Blog wollte ich den Fans der Kampagne die Chance geben, an dem Entstehungsprozess der Neuauflage Teil zu haben und ihre Wünsche zu äußern. Wie es der Zufall wollte, arbeitete parallel in Berlin das Entwicklerstudio RadonLabs an der Fortsetzung des DSA-Computerspiels „Drakensang: Am Fluss der Zeit“, welches in der gleichen Zeitlinie wie die Phileasson-Saga spielt. Wir taten das Naheliegende und steckten unsere Köpfe zusammen. So fanden früher oder später auch einige Berichte über die Querverweise zwischen Phileasson-Saga und Am Fluss der Zeit ihren Weg in den Blog.

Screenshot - Die Startseite von epenschmiede.de Mai 2014

Die Epenschmiede im Mai 2014

Das Epenschmiede-Archiv

Ende Mai 2014 werde ich den Blog epenschmiede.de vom Netz nehmen. Statt die Beiträge jedoch komplett zu löschen, habe ich mich (wie im Falle der Q History-Beiträge) entschieden sie an dieser Stelle zu archivieren. Ihr findet die Beiträge unter folgenden Tags:

Alle Beiträge

Hinter dem Tag Das Schwarze Auge verbergen sich sämtliche Beiträge, die ich zwischen 2008 und 2010 auf epenschmiede.de veröffentlicht habe. Wer es gerne etwas spezifischer hat:

  • Die Phileasson-Saga: Beiträge, die mit der Phileasson-Saga in Verbindung stehen.
  • Drakensang: Beiträge rund um die Computerspiele Drakensang, Drakensang: Am Fluss der Zeit und Am Fluss der Zeit: Phileassons Geheimnis.

Außer der Reihe

  • Das Interview mit Bernhard Hennen, in welchem ich den Original-Autor der Phileasson-Saga zur Kampagne selbst, seinen Arbeiten für Das Schwarze Auge allgemein und den Elfen-Romanen befragt habe. Das Interview liegt auch in Englischer Sprache vor: Interview with Bernhard Hennen
  • Genau genommen gehören die Phileasson-Fragmente nicht zum Epenschmiede-Archiv, da sie direkt hier im Blog veröffentlicht wurden. Die Fragmente beschäftigten sich mit offenen Plotfäden und unverwendeten Ideen aus der Entstehungszeit der Phileasson-Neuauflage.

Bloggende Kollegen: Im Laboratorium für Geschichte und über der Schulter eines bibliophilen Juristen

Man sollte sie lesen, denn diese beiden Wahl-Münsteraner haben einiges zu sagen. Den einen kenne ich aus dem Geschichtsstudium, den anderen aus dem Comiclesekreis. Interessant ist ihr Verhältnis zum Visuellen. 

Laboratorium für Geschichtetexte und bilder

 

 Laboratorium für GeschichteDer Historiker…

…heißt Alexander Kraus und ist derjenige mit dem ausgefallenen Design (komplett neu programmiert, stark auf Typografie und einige wenige Grafiken reduziert und nicht zuletzt der einzige mir bekannte Blog im World Wide Web mit einem echten Kommentar- bzw. Fußnotenapparat am rechten Seitenrand).

Das Visuelle hat aber auch in den Inhalten des Laboratoriums für Geschichte einen hohen Stellenwert – z.B. in den detaillierten Analysen bildlicher Geschichtsquellen (Karten, Fotografien etc.); ein Aspekt, den ich am eigenen Geist erfahren durfte, als ich vor gut anderthalb Jahren an einem Kurs von Alexander teilnahm. Und ich muss sagen, ich war perplex, wie weit man kommt, wenn zunächst auf Stunden nur zwei im Raum sind:
die Quelle und Du.
Vielleicht lässt sich dieser Effekt bei der Analyse von Bildern leichter erreichen als bei Texten, aber die Erfahrung hat mich dennoch nachdenklich gemacht: über das Selbstbewusstsein, die autonome Analysefähigkeit und die allzu verbreitete (und durch das Internet natürlich noch einfacher zu lebende) Marotte von Historikern, kaum einen Quellensatz zu Ende zu lesen ohne sofort Sekundärliteratur, Datenbanken und Handbücher zurate zu ziehen und somit den eigenen Denkprozess gleich zu Beginn durch Fremdinterpretationen zu belasten.

Links:
Der Blog: laboratorium-fuer-geschichte.de
Schreibwerkstatt von Alexander Kraus
Alexander auf Twitter (@laboratorium)

texte und bilderDer Jurist…

… heißt Tobias H. Witte und ist der Comic- und Bücherliebhaber unter den beiden. Ich kenne Tobias erst seit einem Jahr (Wir hatten uns bei Twitter über den Weg getextet und tüftelten später im Schatten des Doms die Idee eines Comiclesekreises aus.). Wie ich später erfuhr, beschränkt sich Tobias‘ Vorliebe für bedrucktes Papier nicht allein auf die Kombination von Bild und Wort. Mittlerweile kenne ich ihn als sehr belesenen Mann, der seit Ende letzten Jahres regelmäßig über seine Erfahrungen als Lesender berichtet und dabei schon so manch geistreiche Rezensionen, Doppelrezension und Tripelrezension verfasst hat und in Zukunft sich wohl auch (so munkelt man in Münster) sogar an die vierfache Rezension heran wagen will.

Was mir an Tobias‘ Blog sehr gefällt, spiegelt sich allein schon im Titel texte und bilder wieder: Im Gegensatz zu den meisten Literaturblogs, die ich kenne, schaut der Kollege aus der Juristerei regelmäßig über den medialen Tellerrand und verbindet und Vergleicht die verschiedenen Publikationsformen. Wohin das auch führt; ich bin gespannt.

Links:
Der Blog: texteundbilder.com
Tobias auf Twitter (@thw85)

Geschichtswissenschaft digital in Deutschland und Frankreich – Tagungsbericht bei H-Soz-u-Kult

Neben eher subjektiven Skizzen und Anekdoten (siehe Tag 1, 2 & 3) habe ich für die Historikertag-Sektion „Geschichtswissenschaft digital in Deutschland und Frankreich: Tendenzen, Strategien, Beispiele“ auch einen richtigen Tagungsbericht verfasst.

Mit freundlicher Genehmigung von H-Soz-u-Kult (hier entlang zum
Original) kann der Sektionsbericht auch direkt im Blog gelesen werden.

HT 2012: Geschichtswissenschaft digital in Deutschland und Frankreich: Tendenzen, Strategien, Beispiele

Während der Begriff eHumanities links des Rheins kaum noch die Gemüter erhitzt, zucken Historiker auf der anderen Seite des Stroms allein bei seiner Erwähnung verschreckt zusammen. Hier rümpft man über Blogs die Nase und betrachtet E-Books automatisch als flüchtig, lieblos, gar billig. Doch wie lange noch kann es sich ein substantieller Teil der deutschen Geschichtswissenschaft leisten, Werkzeuge und Methoden zu belächeln, die beim wissenschaftlichen Nachwuchs in Frankreich längst zum Standardrepertoire der Geschichtswerkstatt gehören? Verliert Deutschland den Anschluss? Diese und andere Fragen waren Thema der Sektion „Geschichtswissenschaft digital in Deutschland und Frankreich: Tendenzen, Strategien, Beispiele.“

Teil 1: Digitale Ressourcen des Historikers am Beispiel der französischen Geschichte

Den ersten Themenblock eröffnete MARIN DACOS (Marseille), Direktor am centre pour l’édition électronique ouverte, mit einer Biographie des französischen Webportals OpenEdition. Webportal greift als Begriff eigentlich zu kurz, hat sich unter dem Dach von OpenEdition innerhalb der letzten 13 Jahre doch eine beeindruckende Infrastruktur gebildet, die Forschende in den Bereichen digitale Zeitschriften (revues.org), wissenschaftliche Blogs (hypotheses.org) und Termine innerhalb der wissenschaftlichen Community (calenda) unterstützt. Das Portal basiert auf drei Säulen: a) freier Zugang b) inhaltliche Redaktion und technischer Support sowie c) Internationalisierung. So konzentriert man sich aktuell auf den Aufbau einer Plattform zum Lesen und Veröffentlichen von E-Books sowie, und dies dürfte Verfechter der Interdisziplinarität freuen, der Ausweitung des momentan noch stark französisch geprägten Netzwerks zu einer europäischen Infrastruktur. Eine Traditionsinstitution fehlt in dieser Zukunftsvision jedoch: der Verlag. Zu Recht?

Als zweites zog GUNDRUN GERSMANN (Paris) eine Bilanz ihrer Amtszeit als Direktorin am Deutschen Historischen Institut (DHI) Paris, welche gerade im Bereich digitales Publizieren eine Neuausrichtung mit sich brachte. Diese war laut Gersmann dringend nötig, denn das DHI hatte ein massives Problem: Als „internationales Institut in einem internationalen Umfeld“, ist das DHI gezwungen, sich in die Forschungsdiskussion beider Ländern einzumischen, was jedoch nur schwer gelingt, wenn sich Bibliotheken in Deutschland und Frankreich weigern, bilinguale Publikationen zu kaufen. Im September 2007 fiel deswegen die Entscheidung, in Zukunft verstärkt digital und offen zu publizieren. Um den verschiedenen Publikationstypen gerecht zu werden, ging man nicht immer gleich vor. Während die Traditionszeitschrift Francia nun ein Jahr nach der Printveröffentlichung kostenlos im Netz steht, erscheint die Tagungsreihe discussions nur online. Zu den ebenfalls neu aufgebauten Podcast-, Blog-, Twitter- und Facebookaktivitäten des DHI später mehr beim Vortrag von Mareike König.
Wirklich faszinierend waren jedoch die Ausführungen zur Retrodigitalisierung: Am Beispiel der Buchreihe Pariser Historische Studien erklärte Gersmann, wie durch die Digitalisierung in der Versenkung verschwundene Monographien wieder der Forschung zugänglich gemacht werden und eine Rezeption der Texte erneut möglich gemacht wird. Für eine Institution wie das DHI bedeutet dies nichts weniger, als das Heben in Vergessenheit geratener Schätze – im eigenen Garten. Da das Netz für Viele jedoch nicht nur Medium sondern auch Botschaft ist, war es wichtig, behutsam vor zu gehen, um weder langjährige Abonnenten noch Autoren mit einer zu radikalen Strategie verschrecken.
Aber auch die Digitalisierung hat ihren Preis. So betonte Gersmann, dass der Vorstoß auf dem Feld des digitalen Publizierens das DHI personell wie finanziell gefordert hätte und auch in Zukunft fordern wird. Denn durch die direkte Publikation im Netz hat das DHI Tätigkeiten und Dienstleistungen an sich gezogen, für die zuvor die Verlage zuständig waren. Gelohnt hätte sich der Aufwand aber trotzdem, denn „allein im stillen Kämmerlein zu forschen, ohne sich um die Visibilität der eigenen Forschungsleistung zu kümmern“ wäre heute einfach nicht mehr zeitgemäß.

Die Diskussion erweiterte HINNERK BRUHNS (Paris) mit seiner Vorstellung der durch ihn initiierten online-Zeitschrift Trivium, in der bewusst nur Übersetzungen von bereits publizierten Artikeln aus dem Französischen oder Deutschen erscheinen. Das Ziel ist so einfach wie einleuchtend: Das Zugänglich machen von Forschungstendenzen und -ergebnissen über die Deutsch-Französische (Sprach)grenze hinweg. Warum dann aber nicht gleich eine Übersetzung ins Englische, lautete eine Frage aus dem Publikum? Weil die Zeitschrift genau dem entgegen arbeiten soll, so Bruns. Denn neben dem Transport von Forschungstendenzen stehe Trivium auch für den Erhalt der beiden großen Wissenschaftssprachen Deutsch und Französisch. Visibilität und Zugang ja, aber nicht im Tausch gegen sprachliche Assimilität oder Marginalisierung.

Den Schlussvortrag des ersten Sektionsteils hielten GREGOR HORSTKEMPER und ANDREA PIA KÖLBL (München), die aufzeigten mit welchen Mitteln die Münchener Nationalbibliothek als Sondersammelgebietsbibliothek der Deutschen Forschungsgemeinschaft im digitalen Zeitalter die französische Geschichte mit Informationen versorgt. Auch hier spielte Retrodigitalisierung eine Rolle, wenn Horstkemper darüber sprach, wie in Kooperation mit Google mittelalterliche Handschriften zugänglich und durchsuchbar gemacht werden. Kölbl konzentrierte sich in ihren Ausführungen auf den Aufbau der virtuellen Fachbibliothek Romanischer Kulturkreis, kurz Vifarom.

Teil 2: Einsatz von Sozialen Medien und Web 2.0-Techniken

MAREIKE KÖNIG vom DHI (Paris) verglich im zweiten Themenblock die digitale Fachkommunikation in Deutschland und Frankreich. Wie bereits eingangs erwähnt, setzt sich die Nutzung von Sozialen Netzwerken und Blogs in den deutschen Geisteswissenschaften wesentlich langsamer durch, als im Nachbarland Frankreich. Und das, obwohl sich diese Werkzeuge laut König hervorragend dazu eignen, die eigene Forschungsleistung auch jenseits der klassischen Publikationen zu dokumentieren (Blogs) und mit Kollegen in Kontakt zu treten (Facebook und Twitter). Wenn diese Werkzeuge aber in der deutschen Forschungscommunity eine weitere Verbreitung erhalten sollen, gelte es Barrieren abzubauen und Vorurteile zu widerlegen. Ein gutes Beispiel derartiger Aufklärungsarbeit ist der ebenfalls von König verfasste Twitter-Leitfaden für Historiker. Ob man durch das Publizieren im Netz aber nicht Gefahr laufe Opfer von Ideenklau zu werden, so eine Frage aus dem Publikum? König widersprach dem, da man durch das digitale Publizieren – ähnlich wie auch durch Printartikel oder Konferenzvorträge – geistigem Diebstahl vorbeuge, indem man ein Thema mit seinem Namen besetzt. Und in der Tat beweisen die jüngsten Skandale um die Doktorarbeiten von prominenten Politikern, dass das Aufspüren von Plagiaten immer einfacher wird – sich Plagiate langfristig also immer weniger lohnen. Auf die Kritik der wissenschaftlichen Gemeinschaft am Bloggen, dieses Medium sei zu flüchtig, zu unübersichtlich und von beliebiger Qualität, sei man laut König gerade beim Aufbau der Plattform hypothese.org eingegangen. Es wurde eine dem Blogportal vorstehende Redaktion eingerichtet, die durch Qualitätskontrollen einen hohen inhaltlichen Standard erhalten soll und Blogbeiträge für die Startseite auswählt. Zusätzlich sorgt der ständige technische Support für den langfristigen Erhalt der digitalen Texte, zum Beispiel durch die Vergabe von permanenten ISBN-Nummern. Dass die so gewonnene, redaktionelle und technische Sicherheit natürlich auch das Abtreten eines Teils der redaktionellen und technischen Freiheit mit sich bringt, ist dabei unvermeidbar.

Laut LILIAN LANDES von der Bayrischen Staatsbilbiothek (München) kann man das Online-Rezensionsportal recensio.net als Antwort auf die Kritik an der aktuellen Rezensionslandschaft in den Geisteswissenschaften verstehen:

  1. Langsamkeit: Rezensionen erscheinen mitunter Jahre nach der Originalpublikation.
  2. Unübersichtlichkeit: Der Überblick über die immer größer werdende Rezensionslandschaft geht verloren. Sowie
  3. mangelnde Internationalisierung
  4. kaum Interdisziplinarität und
  5. zu wenig Interaktivität.

In all diesen Punkten will recensio.net durch das Beleben einer schnellen und zuverlässigen Rezensionskultur im Netz Abhilfe schaffen und so den eigentlichen Grundgedanken der Rezension stärken: die Interaktion und Diskussion über Forschungsergebnisse. Auch hier hat man auf die Onlineskepsis mit der Einrichtung einer redaktionellen Qualitätskontrolle reagiert, um unsachliche Beiträge heraus zu filtern. Aktiv werden musste die Redaktion aber noch nie, die Themen seien einfach zu speziell. Zukünftig soll es möglich sein, wie bei bekannten Online-Händlern Rezensionen zu kommentieren und über diese zu diskutieren. Wer weiß, vielleicht entwickelt sich so ja auch die erhoffte, lebhafte, europäische Rezensionskultur.

Weniger Vorstellung als Bilanz war GEORGIOS CHATZOUDIS‘ (Düsseldorf) Vortrag über L.I.S.A. – das Wissenschaftsportal der Gerda Henkel Stiftung, zwei Jahre nach dessen Start. Neben ansteigenden Besucherzahlen, sowohl aus der Wissenschaft als auch der interessierten Öffentlichkeit, freue man sich gerade darüber, dass auch eher unübliche Beitragsformen wie die Livechats mit Experten gut angenommen werden. Besser werden müsse man bei der LISA-eigenen Community. Diese müsste noch intuitiver gestaltet werden, wissen doch viele Mitglieder nicht, dass sie hier auch ohne Aufforderung eigene Texte einstellen können. Ein schönes Beispiel dafür, dass Wissenskommunikation sich nicht in jeder Hinsicht den medialen und journalistischen Gepflogenheiten anpassen muss, sind die Videoreihen von LISA. Denn im Gegensatz zu vielen artverwandten Videoformaten, drehen hier nicht Medienprofis Videos über Wissenschaftler sondern Wissenschaftler Videos über ihre eigene Arbeit. Das Ergebnis lässt sich laut Chatzoudis sehen, obwohl oder gerade weil es ohne eine mediale Überformung oder Narratisierung der Wissenschaft auskommt.

Eigentlich wollte JÜRGEN DANYEL (Potsdam), stellvertretender Direktor des „Zentrums für zeithistorische Forschung“ einen Vortrag über das Onlineprojekt Docupedia halten. Sein Vortrag konzentrierte sich dann aber doch auf die bis dato in der Sektion aufgeworfenen Fragen. Danyel verwarf zunächst die kulturpessimistische Kritik an den eHumanities, die Wissenschaft würde durch diese ins Triviale abdriften. Eine Kritik, die um so fadenscheiniger wirke, wenn man das Jekyll & Hyde-Verhalten vieler Skeptiker beobachtet, die privat längst im Social Web angekommen seien, beruflich jedoch weiterhin eine konservative Fassade aufrecht erhalten würden. Aber auch die frühen Hoffnungen der sogenannten „digital Natives“, mit den neuen Medien ließen sich sämtliche wissenschaftliche Strukturen aufbrechen, hätten sich als illusorisch erwiesen. Heute, so Danyel, sei die Diskussion eher von einem produktiven Pragmatismus geprägt. Und auch wenn die Entwicklung im Web noch lange nicht an ihrem Ende angekommen sei, müsse man sich ernsthaft darüber Gedanken machen, ob eine separate Sektion zum Thema eHumanities in Zukunft noch nötig sei.

Fazit

Die Diskussion hat gezeigt, welche Potentiale die neuen digitalen Werkzeuge innerhalb der Geschichtswissenschaft entfalten können. Ist es dann folgerichtig, wenn die erste eHumanities-Sektion auf einem Historikertag auch die letzte bleibt? Haben derartige Panels, wie Danyel fragt, auf deutschen Konferenzen generell ausgedient?

Nicht ganz.[1] Die Geschichtswissenschaft in Deutschland wird zukünftig beides brauchen: Expertengespräche im kleinen, digitalen Kreis aber eben auch verstärkt Diskussionen in den Anwendungsfeldern selbst. Natürlich hat Danyel Recht, wenn er die „Wagenburgmentalität einiger digital natives“ kritisiert. Es ist auf Dauer kontraproduktiv, wenn die Pioniere im Bereich der digitalen Geisteswissenschaften nur unter sich bleiben und sich so immer weiter von den konservativen Kollegen abgrenzen. Denn Recherchieren, Diskutieren, Dokumentieren und Publizieren sind essentielle Tätigkeitsfelder eines jeden Historikers, egal in welcher Epoche oder Disziplin er tätig ist. Man darf also zu Recht fragen, ob die Institutionalisierung des Grabens zwischen Kritikern und Befürwortern durch die Erhebung der digitalen Methoden zu einer eigenen Disziplin namens eHumanities der richtige Weg ist. Diese Überlegung ist nicht unwichtig, denn das Ziel lohnt allemal: durch die neuen digitalen Kanäle werden ganz andere Qualitäten und Quantitäten an Interdisziplinarität und Internationalisierung der Forschung möglich. Das Beispiel Frankreich hat jedenfalls gezeigt, dass niemand auf die deutsche Geschichtswissenschaft warten wird.

Sektionsübersicht:

  • Sektionsleitung: Gudrun Gersmann (Paris)
  • Gudrun Gersmann (Paris): Moderation
  • Marin Dacos (Marseille): OpenEdition: Das zentrale Fachportal der Geisteswissenschaften in Frankreich
  • Gudrun Gersmann (Paris): Von Francia bis Facebook. Ein geisteswissenschaftliches Forschungsinstitut geht online: Das Beispiel des DHI Paris
  • Hinnerk Bruhns (Paris): Trivium
  • Gregor Horstkemper (München) / Andrea Pia Kölbl (München): Von der Handschrift bis zum Fachportal – Die Bayerische Staatsbibliothek als Informationsspezialist für die französische Geschichte
  • Mareike König (Paris): Historische Fachkommunikation über Twitter, Facebook und Blogs
  • Lilian Landes (München): Rezensieren im Web 2.0: recensio.net
  • Georgios Chatzoudis (Düsseldorf): L.I.S.A. – Historische Geisteswissenschaften 2.0
  • Jürgen Danyel (Potsdam): Zeitgeschichte und Social Web. Erfahrungen mit partizipativen Formaten im fachlichen Kontext

Anmerkung:
[1] Diese Einschätzungen sind auch geprägt von den Erfahrungen des Autors, der als Online-Redakteur in der Pressestelle der Westfälischen Wilhelms-Universität arbeitet und einen eigenen Blog betreibt.

Bloggende Kollegen: Narratives

podcast-narrativesIch will euch wieder einmal ein interessantes Webprojekt eines bloggenden Kollegen vorstellen. Diesmal ist der digitale Flaneur mit seinem Narratives-Podcast an der Reihe. Nach einem Testflug zum Thema Comics stellt die offizielle Nr. 1 das alternative Musiklabel Denovali Records vor. Viel mehr Schriftzeichen will ich über diesen Ohrenschmaus auch nicht verlieren. An die Boxen, fertig, play!

Blog-Jugendsünden: function follows form

Diese alten Bilder habe ich beim jüngsten PC-Hausputz zu Tage gefördert. Dabei handelt es sich um die ersten Layoutskizzen (wahrscheinlich sogar noch mit Paint zusammen gefrickelt) für den Epenschmiede-Blog.

Obwohl mir die Entwürfe von damals noch heute gefallen, zieht auch das Argument eines Kumpels von damals noch heute:

„Schönes Design, aber wie willst Du vor diesem Hintergrund
auch nur einen Satz lesen?“

Stimmt. Das fertige Bloglayout kam dann ganz ohne Fotos aus.

re:publica: Brillen, Blogs & Liquid Science

Wie im letzten Jahr habe ich mich gut gerüstet auf nach Berlin zur re:publica gemacht. Zeit und Perspektive waren dieses Jahr jedoch eine andere.

Meine re:publica-Brille vom letzten Jahr war durch das Studentendasein und die ehrenamtliche Arbeit beim Geschichtsmagazin Q History gefärbt. Somit standen alle möglichen Webentwicklungen wie Geomapping aber natürlich auch digitaler Journalismus, Gamification etc. im Fokus. Da ich mir das Studententicket selber gegönnt hatte, konnte ich mir alles nach Lust und Laune anschauen.

Die Färbung meiner diesjährigen re:publica-Brille war natürlich durch meine Arbeit in der Online-Redaktion der Uni-Münster geprägt. Dementsprechend waren eher die rechtlichen Vorträge zum Publizieren im Netz von Udo Vetter und Joerg Heidrich, die Twitter-Strategie der ESA / des DLR aber auch nicht auf den ersten Blick Relevantes, wie Judith Ackermanns Vortrag zu Lernprozessen beim Computerspielen von Interesse. Richtig spannend wurde es aber im re:learn-Panel.

Liquid Science statt Elfenbeinturm?

Die Diskussionsrunde „Raus aus dem Elfenbeinturm! Forschung und Lehre zum Mitmachen“ beschäftigte sich mit der Frage, wie man den Entstehungsprozess von Forschung und Lehre offen legen kann und auch nicht-Wissenschaftler daran beteiligt. Die Diskussion zwischen Monika König, Matthias Fromm, Olvier Tracke, Volkmar Langer und dem Publikum entwickelte sich relativ flott. Schnell war die Frage aufgeworfen, ob Open Science (wie auch immer das auch aussehen soll) ohne einen Kulturwandel an den Hochschulen überhaupt möglich sein wird? Dass dies in eine komplett andere Richtung gehen würde als die nicht-mehr-ganz-so-neuen Ergebnisse der Bolognareformen, wurde ebenfalls diskutiert. (Ich selber habe zwar im Bachelor-Studium nicht das Gefühl gehabt, dass mir von einem Bologona-Verschulungsraster jegliche Eigenentwicklung genommen wurde. Aber das muss ja nichts heißen. Paradoxerweise sind ja auch nach Bologna die Studiengänge über einzelne Hochschulen hinaus kaum zu vergleichen …)
Wie dem auch sei. Wenn wir einer der letzten Wortmeldungen aus dem Publikum glauben schenken können, wird es „in 50 Jahren eh keine Universitäten mehr geben.“ Nach Open Science also Liquid Science? Ich hab da so meine Zweifel.

Wissenschaftliches Bloggen in Deutschland

Ebenfalls in re:learn untergebracht war die Diskussionsrunde „Wissenschaftliches Bloggen in Deutschland“ mit Leonhard Dobusch, Mareike König, Thorsten Thiel, Max Steinbeis und Daniela Kallinich. Hier haben die Referenten ihre eigenen Blogprojekte vorgestellt und einige interessante Thesen aufgestellt.

  • These 1: Wissenschaftliches Bloggen fördert die Interdisziplinarität.
  • These 2: Bloggen ist eine gute Schreibübung für den wissenschaftlichen Nachwuchs und erhöht die Sichtbarkeit der eigenen Forschung.
  • These 3: Bloggen wird eine eigene Nische bleiben und Wissenschaftspublikationen und -zeitschriften nicht ablösen.
  • These 4: Ein wissenschaftlicher Blog muss nicht viele Leser oder Kommentare haben, um erfolgreich zu sein.

Bei den vorgestellten Blogprojekten hatten es mir vor allem die geisteswissenschaftliche Blogcommunity/-plattform hypotheses.org und den Gemeinschaftsblog des Göttinger Instituts für Demokratieforschung angetan.

Hypotheses ist aus Sicht zentraler Online-Redaktionen von Hochschulen interessant, weil es wohl schon Universitäten in Frankreich gibt, die deren Blogs einbinden bzw. die „hochschuleigenen“ Blogs auf einer Seite sammeln. Sprich: Statt mit dem eigenen Content Mangement System das Rad neu zu erfinden, wird die WordPress-Basis genutzt.

Der Institusblog wiederum ist ein gutes Beispiel dafür, wie sehr dezentral und relativ ungesteuert Kommunikation zwischen Wissenschaft und der halb-wissenschaftlicher Öffentlichkeit entstehen kann. Manche Pressestellenmitarbeiter würden sich über eine solche Fundgrube jenseits der normalen Aufmerksamkeitskanäle sicherlich freuen.

Foto: cc-by-nd Ashley Coombs