James Bond und der Kalte Krieg

Ende der 60er konkurrierten Sowjetunion und USA bereits um die Vorherrschaft des Weltraums.

Ein Q History-Beitrag über James Bond und den Kalten Krieg.James Bond und der Kalte Krieg

Atomare Aufrüstung und die Eroberung des Weltraums, Spionage und Sabotage: James Bond ist ein Kind des Kalten Krieges. Wie ein roter Faden zieht sich der Konflikt zwischen USA und Sowjetunion durch die Filmreihe. Wir haben uns drei Abenteuer von 007 herausgegriffen.

1967. Im fünften Abenteuer von James Bond – Man lebt nur zweimal – verschlägt es den britischen Spion nach Japan. Sowohl die Vereinigten Staaten als auch das kommunistische Russland vermissen zwei ihrer Weltraumkapseln, und schieben sich gegenseitig die Schuld zu.

Bodenpersonal:„Hawaii an Jupiter 16… Hört ihr mich nicht mehr?“

Um einen dritten Weltkrieg zu verhindern, geht 007 der Sache nach.

Britischer Agent: „Ich werde das Gefühl nicht los, dass da irgendeine bedeutende ausländische Macht noch dahintersteckt.“

Gleich drei Leitmotive der Bond-Reihe dominieren die Geschichte von Man lebt nur zweimal. Ganz vorne steht die Angst vor einem Krieg, in dem die beiden Supermächte Atomwaffen gegeneinander einsetzen könnten.

US-Repräsentant: „Meine Regierung hat mich beauftragt, Ihnen mitzuteilen, dass jede Störung dieses Weltraumfluges von uns als kriegerischer Akt angesehen wird.“

Weiterhin ist der Wettlauf zum Mond zentral für viele Bondfilme. Seit Ende der 50er Jahre konkurrieren USA und Sowjetunion nicht nur um die atomare Vorherrschaft auf der Erde, sondern auch um die technische Kontrolle des Weltraums. So haben die Jupiter-Raumschiffe des Films eine starke Ähnlichkeit mit den Gemini-Kapseln der NASA.
Schließlich ist die Bedrohung der bipolaren Weltordnung durch eine unbekannte dritte Macht von Bedeutung.

SPECTRE-Chef: „Sie sehen, ich bin gerade dabei, einen kleinen Weltkrieg zu inszenieren.“

Diesmal ist es die Geheimorganisation SPECTRE, die – so wird es zumindest angedeutet – mit dem kommunistischen China zusammenarbeitet.

SPECTRE-Chef:„Sind unsere Auftraggeber mit meinen Erfolgen soweit einverstanden?“
Chinesischer Abgesandter: „Meine Regierung ist vollauf zufrieden.“
SPECTRE-Chef: „Sehr schön!“

Dass das kommunistische China als Komplize von SPECTRE auftritt, dürfte die Kinogänger von damals nicht überrascht haben – hatte sich China doch seit Mitte der Fünfziger Jahre immer weiter vom sowjetischen Russland entfernt. In den Sechzigern kam es sogar zu eine regelrechten Feindschaft zwischen beiden Ländern. In der Allianz zwischen China und SPECTRE spiegelt sich die Angst vor einer unbekannten, dritten Macht wieder, die sich den Konflikt der beiden Supermächte zu Nutze machen könnte.

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20 Jahre später. In einigen Staaten des Ostblocks regen sich Widerstandsbewegungen. Es ist die Zeit von Michail Gorbatschow und Ronald Reagan, die gefährliche Endphase des Kalten Kriegs. Auch der 15. Film der Bond-Reihe, Der Hauch des Todes, ist durchzogen von Motiven dieses Konflikts. Anfangs verhilft Bond dem Überläufer Koskov zur Flucht in den Westen.

Gregori Koskov: „Sie sind hinter mir her. Wenn sie die Grenze schließen, wie komme ich da raus?“
James Bond: „Machen Sie sich darüber keine Sorgen, Georgi, wir haben eine Pipeline in den Westen.“

Später wird jedoch deutlich, dass der ehemalige KGB-Offizier seine eigenen Pläne verfolgt: von einem Ex-General des US-Militärs will er gefährliche High-Tech-Waffen kaufen.

Brad Whitaker: „Maschinenpistolen mit kurzem Lauf und Laservisier, Mini-Raketen mit Zielerfassung, Reichweite fünf Kilometer, sehr treffsicher. Schießen und vergessen.“

Um das zu verhindern, arbeitet James Bond sogar mit dem Chef des KGB zusammen.

General Pushkin: „Ich tappe genauso im Dunkeln wie Sie. Es ist eine Frage des Vertrauens. Wem glauben Sie: Koskov – oder mir?“

Hier zeigt sich, dass beide Seiten einen Konflikt vermeiden wollen – doch dazu müssen Sie die eigenen Leute in Schach halten. Der Film dokumentiert die Angst vor abtrünnigen Agenten und Generälen, die auf eigene Faust einen Krieg zwischen den Supermächten provozieren könnten.

Im Verlauf der Geschichte verschlägt es Bond in das seit 1979 von der Sowjetunion besetzte Afghanistan. Dort befreit er einen Anführer der radikalislamischen Mudschahedin, mit denen er gegen die Besatzer kämpft.

James Bond: „Ich brauche Zeitzünder und Plastiksprengstoff.“

Der Film thematisiert hier einen realen Schauplatz des Kalten Krieges, und ergreift deutlich Partei für die antisowjetische Seite. Aus unserer heutigen Sicht erscheint die verharmlosende Darstellung der Mudschahedin, die man als Vorgänger der Taliban ansehen kann, naiv. Doch James Bond stört das wohl kaum – er ist schon auf dem Weg ins nächste Abenteuer.

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Mitte der Neunziger Jahre wird die Bondreihe mit GoldenEye wieder aufgenommen. Die Sowjetunion ist inzwischen Geschichte – ihre Atomarsenale und Satellitensysteme stellen jedoch immer noch eine Bedrohung dar und dominieren auch diesen Film.

In GoldenEye gelingt es einem russischen Verbrechersyndikat, die Kontrolle über ein Satelliten-Waffensystem zu gewinnen. Mit diesem sollen die Spuren eines gigantischen Internetbankraubs verwischt werden.

Bill Tanner: „Eine Erstschlagsatellitenwaffe, entwickelt von den…“
M: „…den Amerikanern und den Sowjets während des Kalten Krieges.“

Während das eigentliche Ziel der Bande ein Phänomen der Neunziger ist, werden Handlung, Schauplätze und Technologien des Films von den Relikten des Kalten Krieges dominiert.

M: „Sie mögen mich nicht, Bond.“
James Bond: „Der Gedanke hatte sich aufgedrängt.“
M: „Schön. Ich halte Sie für einen sexistischen, frauenfeindlichen Dinosaurier. Ein Relikt des Kalten Krieges.“

Mit dem Ende des Ost-West-Konfliktes verschwand auch die Kontrolle über das atomare und technologische Erbe der Sowjetunion. Durch das chaotische Ende der Supermacht gelangten – so die Bildsprache des Films – gefährliche Waffen und Technologien in falsche Hände.

James Bond: „Ich kenne die russischen Sicherheitssysteme. Da spaziert man nicht rein und fragt nach den Schlüsseln für die Bombe.“

So ist es kein Wunder, dass die russischen Charaktere von Goldeneye dem Stereotyp des post-kommunistischen, nur auf den eigenen Vorteil bedachten Verbrechers, ähneln. Am Prominentesten ist ein Ex-KGB-Agent, der sich nun als Mafiaboss verdient.

Valentin Zukovsky: „Freie Marktwirtschaft. Ich schöre, das ist noch mal mein Ende.“

Auch der neue russische Staat genießt im 17. Bondfilm kein großes Vertrauen.

James Bond: „Regierungen wechseln, aber die Lügen ändern sich nicht.“

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Auch nach dem Ende Sowjetrusslands war die Filmreihe um den berühmten britischen Agenten in der bipolaren Welt des Kalten Krieges gefangen. Es brauchte ein ganzes Jahrzehnt, bis James Bond mit neuen Themen, wie etwa Terrorismus und Ressourcenknappheit, konfrontiert wurde.

Ein Beitrag von Henrik Kipshagen und Philipp Spreckels

Foto: flickr, by-sa Johanoomen

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